Vor nicht allzu langer Zeit saßen wir beim Konzert unserer geliebten Freundin Aljoša Jurinić (über die wir in späteren Beiträgen noch schreiben werden) neben einem älteren Herrn (über den wir nachher mehr berichten werden).

Aljoša spielte Mozarts Konzert in c-Moll mit dem HRT[1] Symphony Orchestra und dem Dirigenten Ari Rasilainen im Vatroslav Lisinski Saal in Zagreb. Es war eine großartige Gelegenheit, um Kontakte zu knüpfen und die Wärme von Mozarts Musik zu genießen. Der Konzertsaal war komplett ausverkauft, was bedeutet, dass fast 2000 Personen anwesend waren. 2000 Lebewesen, 2000 Atemzüge, 2000 Bewegungen. Für die meisten von ihnen reichten jedoch die Schönheit der Musik, die Höflichkeit und der Respekt für die Musiker aus, um jeden übermäßigen Klang auf ein Minimum zu reduzieren.

Unter idealen Bedingungen würden Sie vergessen zu atmen, weil Sie keinen einzigen schönen Moment des Konzerts verpassen möchten. Dies wird jedoch des Öfteren durch ein plötzliches Husten eines Zuschauers unterbrochen. Das ist vollkommen natürlich, denn es liegt in der Natur des Menschen, zu husten, zu niesen oder sich zu erkälten. Aber es kommt auch oft vor, dass eine alte Dame mitten im Konzert mit Süßigkeiten oder Keksen zu rascheln beginnt. Wenn jedoch die Aufmerksamkeit vom Klang des Konzerts auf den Klang des eigenen Handys fällt, erreicht dies eine andere Stufe der Störung. Warum?

Kommen wir zurück zu dem alten Herrn neben uns. Das ultimative Beispiel.

Das Telefon von dem älteren Herrn klingelte zu Beginn des Konzerts. Jemand, der mit dem Ablauf eines Konzertbesuchs vertraut ist, schaltet sein Handy vor Beginn aus. Anschließend gingen von ihm seltsame Geräusche aus, als er anfing seinen Burek[2] zu essen. Ein feiner Herr in einem schicken Anzug, der normalerweise so wirkt, als ob er nur in einem guten Restaurant Abend zu essen pflegt. Danach holte der Herr die Zeitung heraus und begann ein Kreuzworträtsel zu lösen. Wir müssen zugeben, dass uns seine Hobbys bereits so sehr faszinierten, dass wir ihn anstelle des Konzerts beobachteten und leider nur mit einem Ohr Aljoša zuhörten.

Im nächsten Moment fing derselbe alte Herr im Anzug, geschmeidig aber unhöflich, an zu schnarchen. Vielleicht war der Herr müde, vielleicht war er gelangweilt, wir haben es nicht herausgefunden. Aber die Frage ist – warum kam er zum Konzert und nahm einen Platz in einem überfüllten Saal bei einem Konzert ein, für das es keine Tickets mehr gab.

Beurteilen Sie ein Buch nicht nach seinem Einband oder einen Mann nach seinem Anzug.

Die Unhöflichkeit kommt manchmal von Musikern*innen selbst. Aus Vernachlässigung, Neid, Respektlosigkeit – es passiert. Da die Kollegen*innen jedoch wissen, wie viel Aufwand in jedem Ton und jeder Pause investiert wurde, sind sie gleichermaßen empfänglich für einander und sehen jedes Kind oder jede alte Dame scharf an, deren Geräusche die Musik des Konzerts stören.

Um Sie aus ähnlichen Situationen herauszuholen, haben wir eine Liste mit 9 goldenen Regeln für das Verhalten bei einem klassischen Konzert erstellt:

1. Zum Konzert gehen: alleine oder in Gesellschaft?

Konzerte bieten eine gute Gelegenheit, um mit anderen Menschen Zeit zu verbringen, können aber auch eine Möglichkeit sein, wohltuende Zeit für einen selbst zu finden. Haben Sie das Gefühl, dass es komisch ist, alleine zum Konzert zu kommen? Es ist absolut in Ordnung, und aus persönlicher Erfahrung können wir garantieren, dass Sie spontan jemanden treffen, der, genau wie Sie, alleine zum Konzert gekommen ist.

2. Was anziehen

Abendkleid, Anzüge oder Hemd und Hose? Wir könnten sagen, dass es in gewissem Maße von dem Ort / Raum / Saal abhängt, an dem das Konzert stattfindet. Es ist absolut angebracht, Ihre elegante Abendrobe vorzubereiten, wenn Sie große Konzertsäle und Theater besuchen. Eleganz schadet nie, was bedeutet, dass Sie sich keine Sorgen machen müssen, dass Sie für diesen Anlass overdressed sind. Wenn Sie ein/eine Student*in sind und keine Zeit haben, sich umzuziehen, achten Sie darauf, dass Sie nicht in zerrissenen Jeans oder im Trainingsanzug zum Konzert gehen. Trainingsanzüge sind verboten.

3. Zeit des Konzerts

In den meisten Konzertsälen auf der ganzen Welt wird Sie niemand hereinlassen, wenn das Konzert bereits begonnen hat. Wenn Sie Glück mit den Billeteuren*innen haben, lassen sie Sie möglicherweise nach dem ersten Applaus herein, aber wenn zum Beispiel Goldberg-Variationen[3] zu Beginn gespielt werden, können Sie direkt wieder nach Hause gehen. Der Punkt ist – kommen Sie mindestens 15 Minuten vor Beginn eines Konzerts, damit Sie genug Zeit haben, in die Garderobe zu gehen und Ihren Platz im Saal zu finden.

4. Beginn des Konzerts

Schalten Sie vor Beginn des Konzerts Ihre Handys, Laptops und alle weiteren elektronischen Geräte aus. Putzen Sie Ihre Nase und beseitigen Sie ihren Kaugummi. Sie könnten denken, dass man in einem Saal von 2000 Menschen kein Geräusch hören kann, aber Sie liegen falsch. Lesen Sie sich vor dem Konzert alle Details des Programms durch – über die Werke und die Künstler*innen. Denn das Umblättern eines Programmheftes kann sehr ärgerlich während des Konzerts sein.

5. Applaudieren

Kein Applaus zwischen den Sätzen.

Was ist ein Satz? Wie soll ich wissen, ob es das Ende eines Satzes oder einer Komposition ist? Wenn Sie mit den Antworten auf diese Fragen nicht vertraut sind, verlassen Sie sich einfach auf jemand anderen. Applaudieren Sie nicht, bis Sie mindestens 50% des Publikums auch applaudieren sehen. So vermeiden Sie unangenehme Situationen. Und lächeln Sie einfach – es wird so aussehen, als wüssten Sie, dass es das Ende des Stücks ist. Überlegen Sie, was Sie beim ersten Date oder bei einem Vorstellungsgespräch anziehen würden. Eine solche Kombination ist wahrscheinlich für ein Konzert oder ein Theaterstück geeignet.

6. Gesundheitsprobleme

Wenn Sie sich erkältet haben, sich krank fühlen oder andere Gründe für Hustenanfälle haben, denken Sie darüber nach, zum Konzert zu kommen. Für den/die Künstler*in auf der Bühne ist Stille äußerst wichtig, da er/sie Emotionen vermitteln möchte und eine dementsprechende Atmosphäre schaffen kann.

7. Hunger und andere Bedürfnisse

Wenn Sie nicht aufhören können, über das Essen nachzudenken, weil Sie kurz vor dem Konzert festgestellt haben, dass Sie hungrig sind, denken Sie immer wieder, dass die Pause nahe ist. Oder essen Sie vor dem Konzert vorbeugend etwas Schokolade.

8. Ein Konzert aufnehmen

In größeren, bedeutenden Konzertsälen ist das Aufnehmen und Fotografieren während des Konzerts nicht gestattet. Wenn Sie dennoch einen Mitschnitt für sich haben möchten, tun Sie dies so diskret wie möglich. Da ansonsten das entstehende Licht Ihres Telefons den dunklen Saal erhellt.

Denken Sie daran, dass Sie das Ticket gekauft haben, um das Konzert live zu erleben und nicht über einen Bildschirm Ihres Telefons. Genießen Sie den Moment genau dort, wo Sie sind. Sie werden sich an ein schönes Konzert mit Emotionen erinnern, die nicht mit Worten beschrieben oder mit einem Kameraobjektiv eingefangen werden können.

9. Während des Konzerts sprechen

Sie haben plötzlich das Bedürfnis, etwas zu kommentieren, das gerade gespielt wurde. Sie möchten die Kleiderkombination eines/einer Solisten*in kritisieren – Sie haben absolut das Recht, dies NACH dem Konzert zu tun. Wenn Ihnen das, was Sie sehen und / oder hören, überhaupt nicht gefällt, halten Sie es zunächst zurück. Denken Sie an etwas, das Ihnen gefällt, und zeigen Sie, dass Sie Respekt vor der Musik und den Künstlern*innen haben.

[1] Kroatisches Radiofernsehorchester
[2] Burek, normalerweise gefüllt mit Fleisch oder Käse, wie in osteuropäischen Ländern üblich
[3] Goldberg-Variationen: entscheidendes Detail – die Dauer der Komposition beträgt ungefähr eine Stunde ohne Pause. Das Stück von J.S. Bach wurde für einen russischen Botschafter geschrieben, der Probleme mit Schlaflosigkeit hatte. Es ist nach Johann Gottlieb Goldberg benannt, der es in seinen schlaflosen Nächten für den Botschafter spielte. Klicken Sie auf den Link, um die berühmte Aufführung des Pianisten Glenn Gould zu hören.