Wie ist es möglich, dass ein Künstler, dessen Porträt von Dr. Gachet für 82,5 Millionen Dollar verkauft wurde, zu Lebzeiten bloß EIN einziges Kunstwerk verkaufte? Ist es möglich, dass eine solche Kunst daher zu Lebzeiten nicht geschätzt oder gar anerkannt wurde? Vielleicht können wir das der Liste der Besonderheiten hinzufügen, die mit dem Leben dieses außergewöhnlichen Malers verbunden sind; Sein Leben versetzt immer noch viele Menschen in Staunen, inspiriert aber auch mit Emotionen, die er durch seine Gemälde vermittelt – Vincent van Gogh (1853-1890).

Der Film „Loving Vincent“ gibt uns einen einzigartigen Einblick in das Leben und den Tod des Genies.

Es ist der erste Film, der vollständig aus Öl auf Leinwand gemacht wurde und aus ungefähr 65 000 Gemälden (12 Bildern pro Sekunde) besteht. Die Maler*innen hatten nach ihrer Auswahl einen 180-stündigen Kurs absolviert, um den Malstil Van Goghs imitieren zu können. Das Projekt fand in Polen statt, jedoch hatte das Land offensichtlich nicht genug Maler, weshalb sich Künstler*innen aus aller Welt dazu bereiterklärten, sich dem Projekt anzuschließen. Es wurden 45 von 5000 ausgewählt, um an dem Vorhaben teilnehmen zu können, bei dem jeder einzelne Pinselstrich zählt.

Im Film folgen wir Armand Roulin, der den letzten Brief von Vincent an seinen inzwischen verstorbenen Bruder Theo zu übergeben versucht. Aufgrund dieser scheinbar sinnlosen Aufgabe reist Armand nach Auvers-sur-Oise, wo ein enger Begleiter von Vincent, Dr. Gachet, lebt.

Dadurch wird sein Interesse geweckt und er beginnt sich in das Thema zu vertiefen. Er entdeckt neue Details, die nicht in die Geschichte passen und wird misstrauisch. Er versucht schließlich das Geheimnis um Vincents Tod zu entlarven. Denn ist es für einen Mann nicht seltsam, dessen Gesundheitszustand sich täglich verbesserte, in den Suizid getrieben zu werden? War sein Tod wirklich ein Ergebnis eines selbst zugefügten Schusses oder wurde er ermordet? Sehen Sie sich daher den Film selbst an und entscheiden Sie.

Es ist weitest hin bekannt, dass Vincent an psychischen Erkrankungen litt, wobei sich die Frage stellt, ob die Wurzeln dafür in seiner unglücklichen Kindheit liegen. Erst nach zahlreichen Karriereversuchen beschließt Vincent, im Alter von 27 Jahren, Maler zu werden. Aus unserer Sicht standen ihm viele werkreiche Jahre bevor, wenn man bedenkt, dass er in 8 Jahren mehr als 800 Gemälde malte.

Fun Fact: Vincent hat 43 Selbstporträts gemalt – wäre dies heute gleichbedeutend mit Selfies?

Wobei hierbei die Möglichkeit besteht, dass Vincent es sich nicht leisten konnte Geld für Modelle oder Requisiten für seine Bilder auszugeben. So malte er sich in diesem Fall einfach selbst.

Andererseits schrieb er in einem Brief an seine Schwester, dass er nach einer stärkeren Ähnlichkeit in seinem Selbstporträt suche, als das mit einem Foto möglich wäre.

Mit diesem Zusammenhang ist eine interessante Geschichte verbunden:

Vincent ist nach seinem totgeborenen Bruder benannt. Daher war es für ihn sicherlich schwer, einen Grabstein mit der Inschrift seines eigenen Namens zu sehen. Aus diesem Grund stellte Vincent in seinen 43 Selbstporträts oft die Frage: Wer bin ich?

So können wir uns, wenn wir Selfies (möglicherweise sogar bis zu 43 pro Tag) für soziale Medien aufnehmen, dieselbe Frage stellen: Wer sind wir? Und sind wir wirklich die Person auf dem Foto?

Es ist bekannt, dass Vincents Bruder Theo ihn finanziell unterstützte – das Leben war jedoch nicht einfach. Mangelnde finanzielle Stabilität, Versagen, Glück, Liebe oder wahre Freunde zu finden führten dazu, dass er sich nach einem Streit mit Paul Gauguin das Ohr abschnitt. Zuneigung und Gewalt waren gleichermaßen vorhanden, wenn es um die Beziehung zwischen den beiden Künstlern ging. Viele hielten Vincent für gefährlich und verrückt, der oft während der medizinischen Behandlung Breakdowns hatte.

Vincent, der als schwarzes Schaf seiner Familie angesehen wurde, wollte beweisen und zeigen, dass es auf der Welt keine Werte gibt, die der Mensch mit seiner finanziellen Lage oder seinem Background in Verbindung bringen kann: „Ich möchte Menschen mit meiner Kunst berühren.” 

In seiner Armut und Einsamkeit brachte er eine solche Kunst hervor, die uns die Hoffnung auf die Existenz von etwas so Starkem gibt, dass uns die Welt in ihrer momentanen Form vergessen und uns unser Leben mit purer Emotion und erhabener Schönheit fühlen lässt. Schönheit, die nicht von dieser Welt ist: „Der Anblick der Sterne lässt mich immer träumen. Warum sage ich mir – sollten diese Lichtpunkte am Firmament für uns unzugänglich sein? Vielleicht können wir den Tod wählen, um zu einem Stern zu gelangen und friedlich im Alter zu sterben- dorthin würde ich zu Fuß gehen. Im Moment gehe ich ins Bett, weil es spät ist, und ich wünsche Ihnen eine gute Nacht und viel Glück mit einem Händedruck, Ihr liebender Vincent.“